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3. 7. 2017 // // Kategorie Randnotizen 2017

brinkmann2

Auch alle Fragen machen weiter, wie alle Antworten weitermachen. Der Raum macht weiter. Ich mache die Augen auf und sehe auf ein weißes Stück Papier.

(alles: Rolf Dieter Brinkmann: Westwärts 1&2 Gedichte. Rowohlt Verlag 2005. S.7-9.)

4 teichhof

16. 6. 2017 // // Kategorie Randnotizen 2017

wir sagen jetzt einfach mal so: l. steigt in die straßenbahn. teichhof, da bei den siedlungen. den weißen.

wir sagen: l. heißt sie.

l. schaut aus dem fenster und zerschaut die wälder zur linken seite, zersetzt die bäume

sie fragt sich warum man hier nicht die wiederholung einschieben kann, sie mag doch so gern zwischenwesen

(korallen zum beispiel)

sie ist doch so gern verliebt, so zwischendrin

zerrollt ihre worte in einem versuchten kindermund legt den kopf schief sie sagt LON DON lässt sich auf die silben fallen

lon DON

 LON don

l. ist manchmal noch immer sehr traurig

sehr sehr traurig

sie denkt halt gern nach

und die leute die denken sind manchmal traurig

die nacken anderer frauen die achseln vor allem

LON don

und was soll sie denn sagen wenn sie so viel fühlt

ganz mariatrost hat l. schon zerlesen

und fragt sich wohin jetzt mit der ganzen liebe

wenn sie doch so viel hat

 

 

 

 

3. 6. 2017 // // Kategorie Randnotizen 2017



 

idris khan 3

© Idris Khan

3 tannhof

25. 5. 2017 // // Kategorie Randnotizen 2017

der blick aus dem fenster: der rhythmus wird hier von häusern mit konstanten 22,4 grad celsius bestimmt. in denen sich das licht nur an und aus dimmen lässt, sowieso ist hier alles sehr sanft, der weiße badezimmervorleger, die kuscheldecken für die kinder auf dem glatten ledersofa, die glatte oberfläche der küchenablage, auf der nichts liegt, gar nichts, alles sehr sanft und glatt hier, der übergang von einem zimmer ins andere, alles offen, alles so richtig offen. hier gibt es keine türen. man geht vom wohnzimmer direkt in die küche und von dort direkt ins kinderzimmer und dabei weiß man gar nicht, ist man tatsächlich gerade im wohnzimmer oder doch im kinderzimmer, weil es doch überall sanft und glatt und offen zum wohlfühlen ist, weil man doch überall immer alles machen kann, hier, wo hier alles nur sanft gedimmt wird –

– und irgendwo hört jemand radio, nachts, während er die geschirrspülmaschine ausräumt. es läuft für papageien entwickelte elektronische musik im kultursender und er fragt sich, warum ihm diese landschaft permanent ins gesicht schlägt.