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3 tannhof

25. 5. 2017 // // Kategorie Randnotizen 2017

der blick aus dem fenster: der rhythmus wird hier von häusern mit konstanten 22,4 grad celsius bestimmt. in denen sich das licht nur an und aus dimmen lässt, sowieso ist hier alles sehr sanft, der weiße badezimmervorleger, die kuscheldecken für die kinder auf dem glatten ledersofa, die glatte oberfläche der küchenablage, auf der nichts liegt, gar nichts, alles sehr sanft und glatt hier, der übergang von einem zimmer ins andere, alles offen, alles so richtig offen. hier gibt es keine türen. man geht vom wohnzimmer direkt in die küche und von dort direkt ins kinderzimmer und dabei weiß man gar nicht, ob man tatsächlich gerade im wohnzimmer ist oder doch im kinderzimmer, weil es doch überall sanft und glatt und offen zum wohlfühlen ist, weil man doch überall immer alles machen kann, hier, wo alles nur sanft gedimmt wird –

 

– und irgendwo hört jemand radio, nachts, während er die geschirrspülmaschine ausräumt. es läuft für papageien entwickelte elektronische musik im kultursender und er fragt sich, warum ihm diese landschaft permanent ins gesicht schlägt.

2 mariatrost

17. 5. 2017 // // Kategorie Randnotizen 2017

wir setzen uns an der endstation in den einser.

der ursprung von allem ist topographisch (noch immer!): der ursprung jeder kartoffel ist die erde hier in rudow. es gibt diese drei minuten, die die straßenbahn an der endstation wartet, wo die anzeige wechselt. alle sprachen und texte, die auf meinem tisch liegen, führen zu meinen eigenen. klar kommen, dass auch dodln die eigene (die meinige!) sprache verwenden. kann man überhaupt utopisches gemüse züchten? berufe ich mich immer auf schon berufenes? ist das meine berufung?

wer hört das denn nicht? dieses leise surren und wabern? kurz zuhören dürfen: wenn den ganzen nachmittag alphawellen laufen und dann die tonspur aufhört: das rauschen dann. Aus der Sicht der Tiere oder aus der Sicht eines Wesens, das völlig verschieden von uns wäre, erschiene der Mensch wie besessen von Zeit und Raum. wenn nichts da ist, ist da noch immer das surren des cityrunners. das hat mir gefehlt. das erst langsame schließen der türen, dann das aneinanderknallen der beiden seiten. wenn man vom rauschen und von der kurvenlage her weiß, an welcher station man gerade ist. das DING-DIng-ding der ansage. WHERE ARE WE NOW: wo die musi spielt.

wenn der ursprung von allem topographisch ist, ist der ursprung von allem topographischen der rhythmus. es gibt doch dieses rattern, das allem zugrunde liegt. das aus allem dann doch irgendwie irgendwie doch sinn macht. wie der bub schon seit stunden seine hand ins Brunnenwasser hält  zum beispiel. oder der blick über die hügel hügel hügel von hier aus (gutes rattern). dieses surren und wabern! in der luft! Das größte Spiel des Menschen ist seit Jahrtausenden die Organisation von Zeit und Raum in Rhythmus, Kalender und Architektur.  es gilt auf die wiederholungen zu achten. mich interessiert das auswabern zu allen seiten (und das verlieren darin), wenn ich das rattern höre, ja mich interessiert es immer, wenn es um ein rattern geht und auch hier, hier wird es, also, hier wird es um das rattern gehen. das rattern verstehen: sehen wie die dodln das rattern verwenden (wir notieren: soldaten in reih und glied, topfhaarschnitte, uniformen, wahl-songs (scheiß rattern)). nur wer die unterschiede im rattern versteht, weiß bescheid.  ICH BIN DOCH KEINE MASCHINE  slave to the rhythm, frau gamilscheck? gammelschreck? ok? ok!

jetzt aber, jetzt geht’s los. der bimfahrer raucht noch eine. also ich sitze schon. die frau mit den vielen einkaufstaschen schaut die ganze zeit nervös aufs handy. und du, ich sehe genau, dass du deine bierflasche unter dem sitz versteckst. aber das ist ok. jetzt geht’s los. sachte bitte: die stadt vor mir wie meine offene schädeldecke. wie grün es hier draußen ist! graz? da war ich noch nie. aber eine bekannte war mal da. is eh nett, oder?

 

* André Leroi-Gourhan

uhrturm

 

1 einser

15. 5. 2017 // // Kategorie Randnotizen 2017

nein, nein, ich bin ja noch da. und unter meinen achseln bist du immer dabei, liebes graz. berliner sommer können heiß werden, vor allem wenn man in rudow die erde umgräbt, und wenn ich jetzt die arme hebe, dann fehlst du mir.

man kann lange an jemanden denken und dann immer noch an jemanden denken, das weiß ich jetzt. deshalb schwitze ich für dich. liebes graz! glaubst du mir?

 

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