Aporie Eiropa

11. 10. 2016 / 11:20 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2016

Ich habe es eigentlich nicht mit dem Palindrom, d.h. ich beherrsche es nicht. Beim Palindrom habe ich das Gefühl, dass es mich beherrscht, statt ich es. Mit einer Ausnahme: dem erzwungenen Palindrom, das mich in die Lage versetzt, neue Wörter zu erzeugen, Ungooglebares hervorzubringen. Wie etwa

APORIE EIROPA

aporie_eiropa

Wenn ich auch nicht weiß, was eine Aporie ist – der Duden hilft mir mit

  • Unmöglichkeit, in einer bestimmten Situation die richtige Entscheidung zu treffen
  • Ausweglosigkeit

Das passt leider genau zum Motto des steirisches herbstes – und dabei habe ich mir doch vorgenommen, das Thema konsequent zu verfehlen.

Wir schaffen das heißt für mich nicht Wir werden das bewerkstelligen, sondern Wir überleben das.

In den Chor jener Kräfte, die früher einmal Für und Wider in der Einstellung zur Europäischen Union in ihren Reihen erlaubt und gelebt haben (und das ist ein Zeichen von Stärke und nicht von Schwäche), die heute aber nur mehr dogmatisch und nicht mehr dialektisch argumentieren, kann ich nicht einstimmen. Eine Union für Kohle und Stahl und (aus heutiger Sicht) für Atomenergie ist kein Friedensprojekt und es wird es nicht werden. Außer man verändert etwas. Die Europäische Union wird auch nicht demokratischer werden, wenn man sie nicht demokratischer macht. Das zu wollen wäre für mich ein Argument, dafür zu sein – dafür sein, um etwas zu verändern. Der Gedanke scheint mir aber abhanden gekommen zu sein. Die Kritik an der Europäischen Union wird automatisch ins rechte Eck geschoben. Das ist grundfalsch. Und damit gibt es auch keine Diskussion mehr. Die politischen Akteure sind Fußballfans geworden. Dafür oder dagegen – das ist die einzige Frage.

Wenn man die APORIE umdreht, kommt wenigstens EIROPA heraus.

Daher stimmt ich in keine Chöre ein und schon gar nicht in den Missbrauch Beethovens.

Dressing up for Steirischer Herbst 8

4. 10. 2016 / 17:38 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2016

praeauer8

Am Tag nach dem famosen Eröffnungsabend des Steirischen Herbst in der Helmut-List-Halle mit inoffizieller After-Party in der »Postgarage« katerfrühstückt Sharon mit Shannon, Savannah, Gloria, Tess und Liberty im Hotel neben dem Kunsthaus, wo man die gutgekleideten Damen untergebracht hat. Von geschnittener Salami bis zu hausgemachtem Müsli finden die Celebs dort, was das Celeb-Herz begehrt. Ganz ironiefrei: Das ist ein verdammt gutes Frühstück! (Bloß beim sogenannten Lunchpaket für den nächsten Morgen – da haben die Hotelbetreiber den Auftrag nur halbherzig ausgeführt oder ganz herzlos.) Das grüne Herz Österreichs pocht an anderer Stelle an jenem Sonntagmorgen, als Tess den Frühzug nach Stuttgart nehmen muss, um nachmittags beim »Hochstapler-Festival« anzutanzen. Wie sie zu so einer Einladung kommt?!
Samstags scheint die Sonne in Graz wie im südlichsten Sizilien, das Kunsthaus ist gerammelt voll mit Menschen, die sich die Ausstellungen ansehen wollen. Ai Wei Wei ist persönlich vor Ort, und vor dem Kunsthaus wird rege diskutiert, ob er nun Ei Wei Wei ausgesprochen werde oder Äi Wäi Wäi, und ob er nun wirklich da sei, also hier, oder vielmehr nicht. Antwort: Edmund de Waal sei nicht hier, der sei bereits montags in Graz gewesen.
Liberty trinkt einen schicken Drink aus Soda und Minze oder sowas, hört den Grazern beim Grazern zu und denkt an ihren Vater, der nicht mehr in Graz und nicht mehr auf dieser Erde weilt. Und dann trifft sie, ein Zufall, die alten Freunde aus Manhattan, Singapur und Shanghai, nein, aus Goldegg im Pongau, und sie erzählen ihr von einer Zugbekanntschaft, einer Dame, die alles über den Steirischen Herbst wisse, alles, und gelernte Konditormeisterin sei. Ei, jei, jei!
Mit diesen alten Freunden geht Liberty durch die Ausstellung. Sie ertappt sich dabei, eine zart-leidenschaftliche Freundin der Keramikkunst zu sein. Ja, die filigranen Behältnisse von Edmund de Waal, der bereits am Montag in Graz gewesen ist, gefallen ihr und sie denkt daran, dass sie Arbeiten von ihm im Theseus-Tempel in Wien gesehen hat. Und die Eule von Picasso, deren Augen so herausglotzen aus dem Kopf, die ist auch zu sehen und bringt Liberty zum Lachen. Ein Vater mit seinem kleinen Sohn am Arm spaziert vorbei, er deutet auf die Eule und fragt seinen Sohn auf Französisch, wer der Künstler sei, der die Eule gemacht hat. Der kleine französischsprechende Sohn kennt seinen Picasso. Der kennt seinen Picasso, das ist doch klar. Fortsetzung folgt.

du schwoaza vegana

4. 10. 2016 / 12:06 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2016

du schwoaza vegana

zerst haumsas von zaus wegghoid und haums auf schiffe falodn

dann haumsas gfressen und bei uns in die ead einegesteckt

des is ned ihr lehm ihre heimat und auch nicht ihr boden

de krumpan kennan ned amor unseren dialekt

 

du schwoaza vegana

duad dia des ned lad

wenn ma an saumd de bana

aus da ead aussazad

 

sollt es ein karma geben

dann stehst dafia grod

wei im nächsten leben

hoid dann di da solod

 

glaubst du dass da reis in dein kochtopf si unhamlich woi fühlt

dem is do vielleicht ned so guad und ea mecht wieder ham

de komischen bohnen aus denen dei grausliche müch is

de woin wieda zhaus gehn nach china und nach vietnam

 

du schwoaza vegana

duad dia des ned lad

wenn ma an saumd de bana

aus da ead aussazad

 

sollt es ein karma geben

dann stehst dafia grod

wei im nächsten leben

hoid dann di da solod

i sitz do und i is mei gulasch wie seit hundert jahre

i is gean a eiaspeis und find do goa nix dabei

i hurch ned auf des ganze neimodische larefare

und bin trotzdem ehrlich und glicklich und unheimlich frei

 

du schwoaza vegana

duad dia des ned lad

wenn ma an saumd de bana

aus da ead aussazad

 

sollt es ein karma geben

dann stehst dafia grod

wei im nächsten leben

hoid dann di da solod

 

 

Kelim Menüleiste

3. 10. 2016 / 12:37 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2016

Ich hab nun auch Microsoft-Word eingesetzt, um TEXTFILES GESTALTEN zu beschreiben und die Ergebnisse sind hervorragend. Nur manchmal gibt es Probleme mit der Rechtschreibprüfung. Ein Bekannter von mir hat vor zwanzig Jahren eine ähnliche Erfahrung gemacht. Er hatte einen Teppichknüpfer in der Türkei angeheuert, der aus einer bestimmten Grafik einen Kelim weben sollte. Nun hat der Bekannte aus unerfindlichen Gründen einen Screenshot aus seinem Bildbearbeitungsprogramm auf dem Farbdrucker ausgedruckt und in die Türkei geschickt. Man muss sich sein Gesicht vorstellen, als er den Teppich das erste Mal zu Gesicht bekam: Der Teppichweber hatte das Fenster des Programms samt Menüleisten und Shortcuts zu einem Teppich gemacht. Ähnliches könnte mir bei folgendem Entwurf für einen Teppich in meinem Arbeitszimmer passieren.

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Zuviele Rechtschreib- oder Grammatikfehler um als moderner Kelim Ernst genommen zu werden. Schade, denn ich hätte gerne den ganzen Teppich Rot und Schwarz gehabt. Hier mein bester Entwurf aus der heutigen Serie:

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Und weitere Impressionen aus meiner Musterdatei.

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