Aus der Serie “Annäherungen an Graz” II

24. 6. 2017 / 22:45 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2017

Wie fühlt es sich an, im Schatten eines Bergs zu leben, der PLABUTSCH heißt? Ich stelle mir vor: fulminant! PLABUTSCH. PLABUTSCH. Ich stelle mir vor, wie irgend so ein Grobmotoriker von Demiurg mit einer Giganto-Schöpfkelle einen Riesenhaufen Dreck auf die Erde plumpsen ließ und dabei machte es: PLABUTSCH! Und dabei ist es dann geblieben.
He, wieviele Dichter gibt es eigentlich in Graz? Ich vermute: Abertausende. Und ganz sicher alles versierte Onomatopoeten. Leute, die mit Worten wie Pardauz und Kabosch jonglieren, dass es nur so kracht und zischt…
Irgendwie klingt PLABUTSCH ja auch nach KLUMPATSCH. Was ebenfalls ein sehr schönes Wort ist. Selbst wenn es bloß einen unstrukturierten Haufen von wertlosem Zeug meint. Also ungefähr das, was ich in meiner Wohnung erblicke, wenn ich den Fehler begehe, mich umzuschaun. Ich meine, nicht dass ich irgendetwas gegen unstrukturierte Haufen von wertlosem Zeug hätte. Ich finde sie großartig! Nur muss man noch zwischen ihnen durchgehen können. Klettern ist mühsam. Deshalb möchte ich den PLABUTSCH auch niemals besteigen. Aber mir von seinen Hängen Bedeutung zufächeln lassen, das ist es, was mir wahrlich gefallen könnte. Glückliches Graz!

5 days residency in Vienna.

20. 6. 2017 / 10:39 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2017

Fil 2017-06-20 10 33 25

4 teichhof

16. 6. 2017 / 09:34 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2017

wir sagen jetzt einfach mal so: l. steigt in die straßenbahn. teichhof, da bei den siedlungen. den weißen.

wir sagen: l. heißt sie.

l. schaut aus dem fenster und zerschaut die wälder zur linken seite, zersetzt die bäume

sie fragt sich warum man hier nicht die wiederholung einschieben kann, sie mag doch so gern zwischenwesen

(korallen zum beispiel)

sie ist doch so gern verliebt, so zwischendrin

zerrollt ihre worte in einem versuchten kindermund legt den kopf schief sie sagt LON DON lässt sich auf die silben fallen

lon DON

 LON don

l. ist manchmal noch immer sehr traurig

sehr sehr traurig

sie denkt halt gern nach

und die leute die denken sind manchmal traurig

die nacken anderer frauen die achseln vor allem

LON don

und was soll sie denn sagen wenn sie so viel fühlt

ganz mariatrost hat l. schon zerlesen

und fragt sich wohin jetzt mit der ganzen liebe

wenn sie doch so viel hat

 

 

 

 

Loop I: Wien-Graz-Wien-Graz-Wien-Graz-Wien-Graz-Wien-Graz

14. 6. 2017 / 10:56 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2017

Drei Wochen später. Ein Programmbuch später. Einige Reisen später. Darunter 14 Reisen zwischen Graz und Wien mit dem Zug. In die eine oder in die andere Richtung. 196 km mal 14, 2744 km. Allein gestern und heute hin und zurück.

Der Morgenzug um 7 Uhr früh – der beste, keine tschechischen Wagons, die immer schlechter sind als die österreichischen Railjets. Ceské dráhy. Und die Ansage, die auf Tschechisch die nächste Station verkündet, Príští stanice Mürzzuschlag. Aber dafür heißt es um 05:30 aus dem wohligen Bett. Oder, dann eben den Zug um 8 Uhr nehmen, den mit leicht altösterreichischem Flair. Das ehemalige Kronland, mit Zugspersonal, das einen mit seinen Deutsch-Kenntnissen immer beschämt, während man selbst keinen Satz tschechisch kann. Ignorantin.

Die Landschaft irrlichtert im Augenwinkel an mir vorbei. Ein zweieinhalbstündiger Film, am Semmering ein rhythmischer Wechsel von Licht und Schatten, Bäume, Sträucher in tausenden Grünschattierungen. Ich ertappe mich, wie der Blick an den immer gleichen Stellen sich vom Bildschirm des Laptops hebt. Als ob da etwas rufen würde. Ein Stolpern im Blick oder im Versunken-Sein in Texte, Mails, Nachrichten, in Musik.

Dann im Mürztal oder in der Talenge nach Bruck – die einzelnen Häuser mit ihren perfekt gemähten Rasen. In all den Jahren versuche ich Menschen beim Leben zu ertappen, spähe in Wohnzimmer mit ihren drapierten Gardinen, in Küchen mit gehäkelten Stores…. einmal ein Ausschnitt von einem Gartenfest, einmal spielende Kinder, Plantschen im Billig-Pool oder auch beim Mähen des Rasens. Nichts. Einfach Nichts. Gespenstisch. Vielleicht liegt es an der Tageszeit, da sind alle weg, bei der Arbeit, in der Schule. Hoffentlich. Was aber, wenn in den Schulen, in den Ämtern, Kirchen, Gasthäusern auch niemand ist?

Aber vielleicht bin ich ebenso unsichtbar – eine Bewohnerin eines Geisterzugs, ein Wurm in der Ferne, der die Landschaft durchschlängelt.